Ich weiß, ich muss etwas tun. Auf der Klippe weht der Wind immer heftiger und droht, mich einfach von der Klippe zu fegen. Auf dem Sprungturm wird die Schlange hinter mir immer länger. Und irgendwann wird einer der Wartenden so ungeduldig sein und mich einfach mit Schwung hinunterstossen.
Also nähere ich mich dem Abgrund. Schiebe vorsichtig den dicken Zeh über ihn hinüber. Und fühle hinein. In die Schwärze, die unter mir liegt. Und ich blicke zurück. Sehnsüchtig. Zum sicheren Land hinter der Klippe, zur rettenden Leiter, die mich sicher wieder auf den altbekannten Boden zurückbringt. Noch kann ich mich entscheiden. Zurück oder springen? Mut oder ... nun ja, du weißt schon.
Irgendwann, nach einer Ewigkeit, entscheide ich mich. Für Mut. Natürlich für Mut. Und ich trete hinaus über die Klippe. Ich springe.
Und ich falle nicht. Der schwarze Abgrund war nur eine Stufe. Sofort habe ich wieder sicheren Boden unter den Füßen. Ungewohnten zwar. Aber tragenden. Ein bisschen holprig läuft es sich noch. Doch ich kann laufen und die Dunkelheit hat sich auch verzogen. Und weißt du was? Ich fühle mich frei. Und glücklich. Vielleicht sogar ein bisschen übermütig.
Entscheidungen, wir alle kennen das Ringen mit ihnen. Das Zögern und Zaudern. Dieses ewige, niemals endende wollende Hin und Her und Her und Hin. Doch Leben bedeutet, immer wieder Entscheidungen zu treffen. Kleine. Große. Und manchmal riesige.
Und jedesmal, wenn ich es geschafft habe, eine Entscheidungen zu treffen, auch wenn ich nicht wusste, was mich auf der anderen Seite erwartet und in dem Wissen, dass ich das andere nicht gewählt habe, habe ich mich gut gefühlt. Richtig gut. Weil ich nicht der Spielball des Lebens geblieben bin und einfach nur abgewartet habe. Sondern weil ich aktiv war. Meinen weiteren Weg aktiv mitgestaltet habe. Und das macht mich glücklich und zufrieden.
Die Fäden des eigenen Lebens in den Händen zu halten, auch wenn sie sich manchmal tonnenschwer anfühlen oder total verknotet. Entscheidungen aktiv zu treffen und sich den Konsequenzen des gewählten Weges zu stellen, macht mich glücklich. Am Klippenrand zu stehen und mich nicht entscheiden zu können, macht mich unzufrieden, ängstlich und vor allem handlungsunfähig. Ich bin gern handlungsfähig. Und ich habe mein Leben gern selbst in der Hand. An den Stellen, wo ich selbst entscheiden kann. Und ich treffe lieber mal eine Entscheidung, die im Nachhinein betrachtet, vielleicht nicht ganz so schlau war, als ewig Pro und Contra hin und herzuschieben.
Denn wirklich glücklich und zufrieden machen mich nur getroffene Entscheidungen und gelebtes Leben. Und das kann ich nur auf dem Weg, nicht an der Klippe...