Wenn der Kopf vor Ideen überläuft und die Angst vor dem weißen Papier

Wie ich meine Kreativitätsblockaden überwinde

Im Endeffekt führt tatsächlich beides zum gleichen Ergebnis - der Lähmung und damit dem Nichtstun!

Wie oft habe ich in meinem kreativen Leben diese beiden Zustände schon erlebt!? Ich kann sie nicht mehr zählen! Und jedes Mal waren sie unglaublich frustrierend. Bis ich gelernt habe, mit beiden umzugehen...

Wenn zu viele Ideen auf einmal da sind

Kennst du das auch? Der Kopf produziert eine Idee nach der anderen? Eine Idee gibt der nächsten die Klinke in die Hand und irgendwann weißt du gar nicht mehr, wo dir der Kopf steht? Das Problem: Alle, wirklich alle Ideen und Optionen, erscheinen so verlockend und man möchte am liebsten alles gleichzeitig machen. Nächstes Problem: Ich habe nur zwei Hände und keinen Zeitumkehrer wie Hermine. Spätestens bei dieser Erkenntnis setzt sie ein - die Lähmung! Denn ja, zu viele Ideen auf einmal können lahmlegen. Ich habe dann oft Stunden um Stunden irgendwo gesessen und mit der Welt gehadert, weil ich mich nicht entscheiden konnte. Ich war nicht fähig, einer Idee den Vorzug zu geben. Denn das hätte bedeutet, dass ich die anderen Ideen vielleicht nicht umsetze, sie vielleicht sogar vergesse! Das Ende vom Lied war immer dasselbe. Viele Ideen gehabt, aber nichts gemacht! Und am Ende totale Frustration, weil ich mich doch eigentlich kreativ betätigen wollte. 

Ein weiterer Nachteil zu vieler Ideen: Es kann ziemlich teuer werden! Denn wenn ich erstmal angefangen habe, meine Ideen doch umzusetzen, habe ich zwar vieles angefangen, aber nie zu Ende gebracht! Auch eine frustrierende Situation. Die allerdings weniger mich als meine Mitmenschen belastet und genervt hat, da überall angefangene Projekte rumlagen. 

Die Lösung meines Problems der tausend Ideen kam auf unerwarteten Wegen zu mir. Da ich mich auch mit vielen spirituellen und philosophischen Themen beschäftigt habe und auch heute noch beschäftige, bin ich über die Idee gestolpert, dass man nicht nur ein Leben lebt sondern viele. Die Seele kehrt also immer wieder. Das hat mir im ersten Moment den Druck genommen, all meine Ideen in diesem Leben umsetzen zu müssen. Durch die dadurch einsetzende Entspannung konnte ich mich ohne Druck einer meiner Ideen widmen. Die Entscheidung FÜR etwas fiel mir auf einmal viel viel leichter. Natürlich war mir irgendwie klar, dass ich mich, sollte es weitere Folgeleben geben, nicht unbedingt mit gleicher Leidenschaft der Kunst und Illustration widmen werde, geschweige denn, dass ich mich an mich erinnern würde. Doch über diesen spirituellen Umweg habe ich gelernt, zu akzeptieren, dass nicht für all meine Ideen in diesem Leben Platz ist. Ich habe gelernt, mich mit Begrenztheit und Prioritäten anzufreunden. 

Heute begegnet mir dieser Zustand nur noch sehr selten und meistens kann ich ihn viel schneller beenden als früher.

Und wenn das Blatt immer noch weiß ist

Obwohl ich schon eine ganze Weile davor sitze? Dann kann ich heute einfach aufstehen und mich anderen Dingen zuwenden. Denn ich habe akzeptiert, dass die Muse und die Inspiration nicht immer da sind. Und ganz bestimmt lässt sich Kreativität nicht erzwingen. Immer wenn ich das versucht habe, ist es garantiert schief gegangen und es ist nur Mist dabei rausgekommen.

Den Stress mit dem weißen Blatt Papier habe ich tatsächlich durch einen Kurs bei Domestika in den Griff bekommen. Mein Problem war immer mein Perfektionismus und ein unglaublich hoher Anspruch an mich selbst. Ich habe daher oft zu früh aufgegeben und angefangene Bilder in den Papierkorb befördert, weil sie in dem Stadium in meinen Augen nicht gut genug waren. Tatsächlich hatte ich aber auch damals noch nicht gelernt, weil es uns in der Schule iim Kunstunterricht z.B. nicht beigebracht wurde, dass ein Bild nicht in einer einzigen Lage fertig sein muss. Dass es Geduld braucht bis ein Bild Lage um Lage entsteht. Und dass es eben nicht perfekt sein muss. Dass gerade das Unperfekte (wobei man hier unperfekt für sich selbst definieren darf) einem Bild Faszination, Echtheit und den eigenen Stempel aufsetzt. In dem Kurs von Adolfo Caceres (Redolaf) habe ich auch verstanden, dass man mit Ideen rumspielen darf, dass die ersten Skizzen "hässlich" sein dürfen und dass Kunst nicht real sein muss, vielleicht sogar gar nicht darf. Vielleicht macht nämlich gerade das Kunst aus. Das Spiel mit Verrücktheiten, das Eintauchen in die eigene Fantasie, das niemals Stillstehen sondern immer wieder das Neue wagen. Und vielleicht geht es in der Kunst ja gar nicht um das Ergebnis sondern um den Prozess. Das jedes Mal Neu-Werden, die eigene Entwicklung im kreativen Tun. 

Erkenntnisprozess

Rückblickend würde ich sagen, dass beide Prozesse ineinander gegriffen haben. Die Überwindung der Lähmung durch zu viele Ideen und die Erlaubnis, dass nicht alles perfekt sein muss. Beides hat mich in meinem kreativen Tun freier werden lassen, erlaubt mir heute, entspannt mit mir umzugehen und die Kreativität nicht zu zwingen. Das gilt sowohl in meiner Freizeit als auch in meiner Arbeit als Designerin. Wenn mal nix geht, weil der Kopf z.B. voll ist mit To Dos, wenn die Muse faul in ihrer Hängematte liegt, dann mache ich Pause. Nehme Abstand, gehe spazieren und meist kommen dann von alleine Ideen. Der wohl wichtigste Punkt war aber zu lernen, meinem inneren Kritiker (man könnte auch sagen Peitschenschwinger) Grenzen zu setzen und liebevoller mit mir selbst zu reden. Denn das hat letztendlich den Raum geöffnet. An Stellen an denen ich früher ein Bild in die Tonne befördert habe, sage ich heute oft: "Na, jetzt ist ja eh egal!" Und dann wird es meistens gut! Weil ich mich in dem Moment von meiner Perfektion und auch ein Stück weit vom fertigen Bild in meinem Kopf löse und damit Leichtigkeit und Lockerheit Einzug in das Bild nehmen. Und oft stehe ich dann am Ende fasziniert davor und bin glücklich darüber, dass ich losgelassen, mich auf meine Intuition verlassen und einfach nur gemacht habe. Der "Jetzt-ist-eh-egal-Punkt" ist übrigens auch der Moment, in dem bei mir der Flow einsetzt, wo ich alles um mich herum vergesse, wo die Gedanken aufhören und das Fühlen beginnt.

Ich habe meinen Weg gefunden, diese Blockaden zu lösen und ich war ehrlich gesagt ein wenig verwundert, auf welchen Wegen die Lösungen zu mir kamen. Vielleicht helfen dir meine Gedanken auf deinem Weg, vielleicht kommen sie aber auch aus einer ganz anderen Richtung. Halte die Augen und Ohren auf, denn manchmal liegen die Lösungen nicht dort, wo wir sie vermuten.
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