Wir suchen an der falschen Stelle

oder den Rhythmen von Werden und Vergehen folgen

Immer denken wir, das, was wir suchen, würde außerhalb von uns liegen. Und so richten wir unseren Blick in die Welt und versuchen uns selbst in ihr zu finden. Wir geben alles nach draussen, Schuld und Freude sind immer von etwas außerhalb von uns selbst abhängig. Und so kommen wir nicht auf die Idee, in uns selbst nach uns selbst zu fahnden. Und auch nicht darauf, dass Gott, das Universum, Alles-Was-Ist, wie auch immer du es bezeichnest, nichts ist, was uns von außen beobachtet und richtet, sondern etwas, das in uns selbst liegt.

Wie gesagt, wir suchen an der falschen Stelle.

Wir erkennen uns in der Welt...

...aber finden tun wir uns in uns selbst. Will heißen, wir brauchen die Welt, um uns selbst zu erkennen. Wir treten in Resonanz mit bestimmten Menschen, Themen und Situationen. Wir lieben, was wir sehen, es macht uns traurig oder wir werden fürchterlich wütend. All das sagt uns etwas, über uns selbst. Über unsere Werte, über unsere Interessen, über unsere Definition von "gut" und "schlecht". Und es sagt uns etwas darüber, wer wir in diesem Moment sind - denn wie innen so aussen.

An dieser Stelle verschwimmt für mich die Grenze zwischen Wissenschaft (in diesem Fall Psychologie) und Spiritualität, denn die Psychologie würde uns nun etwas von "selektiver Wahrnehmung" erzählen, über Filter in unserem Gehirn, die nur für uns relevante Informationen hereinlassen. Wenn du also z.B. schwanger bist oder schwanger werden möchtest, siehst du plötzlich überall schwangere Frauen. Die Spiritualität würde uns sagen, dass wir im Aussen nur das wahrnehmen können, was in uns ist. Und im Prinzip sagen sie beide dasselbe, nur anders verpackt. Wir können die Welt immer nur so wahrnehmen, wie es gerade in uns aussieht - sind wir friedlich und in Harmonie werden wir die Welt genau so erleben, sind wir in Unfrieden und vielleicht sogar Krieg mit uns selbst, werden wir das auch in der Welt wahrnehmen.

Wir brauchen also die Welt als unser Feedback, um uns zu erkennen. Und deshalb ist die Welt polar. Nur in einer Welt der Gegensätze (und der vielen Abstufungen dazwischen) können wir erkennen, wer wir sind, was wir mit unserem Leben anstellen wollen, wofür wir brennen und was uns kaltlässt. Aber es ist ein Unterschied, ob wir uns in der Welt erkennen oder ob ich mich oder Gott (das Universum, etc.) im Aussen suche.
Denn solange wir unseren Kern (unser Selbst) im Aussen suchen, solange wir an ein Universum außerhalb von uns glauben, solange können wir nicht zu unserem Selbst gelangen, können wir Gott nicht finden. Denn dort draussen sitzt kein strafender oder belohnender Gott oder ein Universum, das unser Schicksal lenkt. 

In dem Song "From a distance" heisst es: "God is watching us, from a distance." Und ich glaube, dass wir diese Aussage völlig falsch verstehen. Denn ja, Gott beobachtet uns aus der Distanz, nur liegt diese Distanz nicht außerhalb von uns. Sondern in uns. Was nicht bedeutet, dass diese Distanz leichter zu überwinden wäre. Aber es bedeutet, dass es nicht DAS Universum da draussen und uns Menschen hier unten gibt. Es bedeutet, dass jeder von uns ein Teil des Universums ist. Und erst mit dieser Erkenntnis werden wir frei. Frei unser Selbst zu finden. Frei, nach innen statt nach aussen zu gehen. Frei, zu erkennen, dass die Welt immer unser Spiegel ist. Und auch frei davon, Verantwortliche im Aussen zu suchen. 

Das Universum im Herzen

Die Reise führt immer nach Innen, wenn wir uns selbst finden wollen. Der Blick nach Aussen ist wie eine Momentaufnahme, in der ich sehen kann, wer ich momentan bin. Wir sind Teil des Universums und gleichzeitig finden wir es in unserem Herzen. Wollen wir uns selbst finden, müssen wir bereit sein, Schicht um Schicht diese Welt, die auf unserer Seele liegt, abzutragen. Und mit dem Blick in die Welt nach und nach uns selbst zu erkennen. Die Reise nach innen, zu uns selbst, funktioniert nur mit dem Blick nach Aussen. Denn in der Welt erkennen wir uns, in uns finden wir uns. Und daher ist die Welt der Gegensätze auch so wichtig. Ohne sie können wir uns nicht erkennen. Wir können Licht im Licht nicht sehen.

Schauen wir uns Martin Luther King an. Auch er konnte nur aufstehen, viele Menschen motivieren, die Apartheid in den USA abzuschaffen, weil er in die Welt schaute, seine Position in sich selbst fand und sich klar für einen anderen Weg entschied. Und das nicht nur für sich selbst sondern für viele Menschen auf diesem Planeten. Er war das Licht in der Dunkelheit. Er entzündete eine Flamme, die viele weitere entflammte und die zusammen die Dunkelheit zurückdrängten. 

Das Universum (oder Gott, etc.) ist in uns, aber deshalb nicht unbedingt weniger weit entfernt als würde es außerhalb von uns liegen. Doch mit der Bereitschaft, nach innen statt nach aussen zu gehen, übernehmen wir auch wieder Verantwortung für unser Leben. Wir können bestimmt nicht immer beeinflussen, was in der Welt passiert (und einige meiner Erfahrungen in diesem Leben sprechen definitiv dafür, dass es bestimmte Dinge gibt, die ich in diesem Leben lernen darf), aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren, wie wir damit umgehen wollen. Ich kann auf Gewalt mit Gewalt reagieren oder ich kann friedlich sein. Ich kann meinen Nachbarn beschuldigen, wenn es zwischen uns nicht gut läuft und wir wegen etwas nicht einer Meinung sind oder ich kann mich fragen, was ich selbst zu der Situation beigetragen habe. Doch solange ich von mir Selbst getrennt bin, solange ich eine strafende Instanz im Aussen vermute, solange übernehme ich keine Verantwortung für mein Leben. Und das macht mich doch wirklich hilflos. Dann fühle ich mich wie ein Spielball, der nichts ändern kann, dem die Dinge passieren. 

Wenn ich die Verantwortung für mein Leben übernehme, dann kann ich bestimmt nicht die ganze Welt verändern (denn das zu glauben, wäre Größenwahn), aber ich kann entscheiden, wie ich auf das, was in der Welt und was mir passiert, reagiere. Und wenn ich schließlich noch ein Stück weiter zu mir selbst vorgedrungen bin, dann kann ich erkennen, dass ich "nur" ein Teil des großen Ganzen bin und ich kann aufhören andere zu missionieren, aufhören, so arrogant zu sein, aus meiner doch sehr beschränkten Sicht des Ganzen, zu denken, ich wüsste, was für die Welt oder meinen Partner oder Freund oder mein Kind das Beste wäre. 

Wir wissen es nicht und vielleicht ist es auch gar nicht unsere Aufgabe. Vielleicht sind wir einfach nur ein Teil des großen Ganzen, der hier ist und eine zeitlang Erfahrungen sammelt und irgendwann demütig erkennt, dass es ziemlich arrogant ist, davon auszugehen, dass man selbst DIE eine Lösung für die Welt hat. Aber es ist auch an der Zeit, aufzuhören, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu erwarten, dass sie etwas verändern. Denn wenn wir uns eine friedlichere und liebevollere Welt wünschen, dann können wir nur bei uns selbst anfangen und uns fragen: Was kann ich dazu beitragen, dass meine Welt friedlicher und liebevoller wird? Welche meiner eigenen Dämonen muss ich besiegen, um Liebe in die Welt bringen zu können?

Und vielleicht ist das schon alles, was wir wirklich tun können. Uns selbst auf den Weg machen und in unserer eigenen kleinen Welt das zu leben, was wir uns im Großen wünschen. Es beginnt nur nie mit den anderen...
Schreibe einen Kommentar

Um einen Kommentar schreiben zu können, musst du dich registrieren. Hier geht`s zur Registrierung.

    Der Artikel hat dir gefallen? Dann schau mal HIER vorbei:

    Community

    Du möchtest Teil der Wunderfinder-Community werden?

    Dann registriere dich jetzt und teile deine Gedanken zu den Blog-Artikeln mit mir und anderen Leser*innen.

    Kontakt

    Schreib mir gern eine Nachricht. Egal, ob du mir deine Gedanken mitteilen, Illustrationen als Kunstdruck bestellen möchtest oder Interesse an einer Zusammenarbeit hast. Ich freue mich über deine Zeilen.
    Contact Form Demo

    Kreativitätsentfaltung & Workshops

    Durch kreatives Tun den Weg zu dir selbst finden.